„Wir haben eine kühne Vorstellung entwickelt: Unser Ziel ist es, Kunst bis in die Produktionsräume zu bringen.“ Bei einem Gespräch mit den Wirtschaftsjunioren in der Red Corridor Gallery skizzierte Rudi Neuland vor jungen Führungskräften ein spannendes Experiment. Die Galerie sucht Unternehmen, die bereit sind, ihre Werkhallen dafür zur Verfügung zu stellen. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass eine Arbeitsumgebung, die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern ausdrückt, eine positive Wirkung zeigt.“
Neuland hat sich als Unternehmer drei Jahrzehnte lang intensiv mit Unternehmenskultur auseinandergesetzt und dabei eine „Schönwetter-Kultur“ beobachtet: „Heute ist das Thema nicht mehr so aktuell.“ Stattdessen werde gefragt: Wie wird mehr Umsatz generiert, wie werden neue Märkte erobert? Dabei habe gerade Japan gezeigt, dass Kultur einen Betrieb zusammenhalte. „Unternehmen sind deshalb erfolgreich, weil sie eine Kultur haben. Und die muss von der Führung vorgelebt und getragen werden“, ist der 63-Jährige überzeugt. Kunst kann dabei ein Aspekt der Kultur sein. „Es gibt Unternehmen, die sammeln, sponsern und leben mit Kunst. Manche nutzen die repräsentative Seite, schmücken Foyers und Besprechungsräume oder setzen Kunst als Investition ein.“
Leszek Skurski stellte den Gästen das Ausstellungskonzept der Galerie vor. Red Corridor, das sind Rudi Neuland, das polnische Künstlerehepaar Joanna Skurska und Leszek Skurski sowie Anna Will, die dafür sorgt, dass „wir Künstler nicht die Bodenhaftung verlieren“. Der Name Red Corridor steht für Tunnel, Durchgang, Dunkelheit und Niemandsland, durch das die Künstler gehen müssen. Die Farbe Rot symbolisiert Dynamik, Schaffensdrang und Leidenschaft. Das Besondere der Gruppe: Alle drei arbeiten in ihrer individuellen künstlerischen Sprache immer an einem gemeinsamen Thema, das sie berührt und inspiriert. Dieses Thema bildet die Klammer der Ausstellung. Daneben steht die Galerie auch anderen Künstlern offen, die in den jeweiligen thematischen Rahmen passen.
Anna Will präsentierte den Wirtschaftsjunioren das breite Angebot von Red Corridor. Die Werke werden nicht nur verkauft, sondern auch verliehen - eine praktische Möglichkeit, um die Wirkung eines Werkes zu testen oder um Büros mit wechselnder Kunst auszustatten. „Wir kommen auch gerne in die Unternehmen und unterbreiten Vorschläge.“ Kunstdrucke in limitierter Auflage und hochwertiger Qualität, Portraitmalerei und Portraitfotografie, die auch gleichzeitig in der Werbung eingesetzt werden können oder originelle Weihnachtskarten, sind ebenfalls im Angebot. „Diese Geschenke sind etwas Besonderes und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.“ Kunst kann auch in Produkte einfließen und sie veredeln, betonte Will. Das wiederum kurbele den Vertrieb an.
Die Anzahl der Galerien pro Einwohner ist ein Indiz für Kreativ-Regionen, formulierte Trendforscher Matthias Horx kürzlich in einem Vortrag vor dem Arbeitgeberverband Osthessen. Vor diesem Hintergrund habe die Red Corridor Gallery einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Region geleistet, begrüßte Christine Schneider von den Wirtschaftsjunioren die Gastgeber und jungen Führungskräfte der Wirtschaft „Ihre Galerie ist eine echte Bereicherung für die Region“, so die Organisatorin der Veranstaltung.
Auch Geschäftsleute haben die Möglichkeit, Kunst zu genießen, denn donnerstags ist die Red Corridor Gallery unter dem Motto Art after Dark immer bis 22 Uhr geöffnet.

